„Das Gegenteil von Depression ist nicht Freude, sondern Expression“ – dieser Satz hat mich in den letzten Jahren sehr begleitet. Meine eigene Geschichte prägen 10 Jahre Depressionen. Ich weiß, wie es ist, von sich selbst, der eigenen Intuition & den Gefühlen abgeschnitten zu sein. Ich weiß, wie sich Taubheit im eigenen Körper anfühlt. Ich habe über Jahre in einem Zustand „gelebt“, in dem ich nicht wirklich in meinem Körper war, sondern mit selbst aus der Vogelperspektive beim Existieren und Handeln zugeschaut habe, ohne das Gefühl, irgendwie Einfluss darauf nehmen zu können.
2018, mit 21, begann ich meine dritte Therapie. Die, die den Unterschied für mich machte. Hier lernte ich, wieder in Kontakt zu meinen Gefühlen zu treten. Nicht nur zu den angenehmen. Auch, oder sogar erst Recht, zu Trauer, Angst, Enttäuschung und Wut. Auf meinem Heilungsweg realisierte ich, dass es immer radikale Annahme & authentischer Selbstausdruck sind, die Taubheit und Ballast auflösen. Es gab einen Moment in Therapie, in dem mein Therapeut mich fragte: „Frau Wolters, wenn Sie Durst haben, was machen sie dann?“ Und ich sagte: „Trinken!“ Er fragte: „Und wenn Sie Hunger haben? Was machen Sie dann?“ Ich antwortete: „Essen!“ „Okey. Was machen Sie, wenn Sie müde sind?“ „Ich schlafe!“ „Sehr gut. Und, Frau Wolters, was machen Sie, wenn sie wütend sind?“
Ich schwieg. Denn in dem Moment realisierte ich, dass ich keine angemessene körperliche Reaktion auf Wut lebe (oder auch nur kannte). Ich schlucke sie einfach runter. Genauso wie Trauer. Ich wusste, wie oft mein Therapeut schon gesehen hatte, dass ich meinen Tränen schluckte, statt sie einfach laufen zu lassen. Wir beide wussten, dass ich mir in den unangenehmen Gefühlen keinen Ausdruck erlaubte. Und dass der Ausdruck meiner freudigen Gefühle eine Maske war. Ich reagierte auf schöne Momente zwar mit einem Lächeln, aber es erreichte nie meine Augen. Weil ich es nicht fühlte, sondern dachte. Weil ich es gar nicht fühlen konnte, weil ich mich mit dem Abschneiden von meinen unangenehmen Gefühlen auch von meiner Lebensfreude abgeschnitten hatte.
In den folgenden Jahren lernte ich, mich wieder auszudrücken. Und: mich damit sicher zu fühlen, statt so verletzlich und angreifbar, dass ich direkt wieder alle Mauern hochfuhr, sobald ich ein kleines bisschen echt war. Ich übte auf verschiedenen Wegen, mir selbst, meiner Innenwelt, Ausdruck zu verleihen. Ich fing wieder an zu singen. Nicht für irgendwen. Einfach für mich allein unter der Dusche. Ich fing wieder an zu tanzen. Nicht für andere. Einfach mit mir allein in der Küche. Ich begann wieder, Gedichte zu schreiben und Bilder zu malen. Begann zu fotografieren & einen Blick für die verborgenen Schönheiten dieser Welt zu entwickeln.
Ich realisierte: Kunst zu machen kreiert ganz viel Raum in meinem Inneren. Ich ging noch einen Schritt weiter: Ich begann, mich selbst als Kunstwerk zu sehen. Begann daran zu glauben, dass ich „work in progress“ und in jeder Phase wunderschön und für genau die Phase im Prozess vollkommen bin. Ich realisierte, dass Kunst nicht falsch sein kann – und dass dementsprechend ich, wenn ich ein Kunstwerk bin, ebenfalls gar nicht falsch sein kann. Es war die Kunst, die mich erinnerte, wie viel Schönheit, Richtigkeit & Relevanz in allem liegt. In allen Stilen. Impressionismus. Expressionismus. Kubismus. Surrealismus. Realismus. Abstraktion. Ballett. Latein. Hip-Hop. Solo. Gruppe. Und so übertragen auch in allen Arten, zu sein, und in allen Gefühlen. Nicht jede Art ist für jede(n). Aber jede Art ist für irgendwen wichtig, um sich gesehen & repräsentiert zu fühlen. Gefühle sind, genauso wie Stile, super unterschiedlich. Aber ebenfalls alle wichtig, weil sie nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen.
Aus genau diesem Grund, Kunst befreit, wird sie seit einer Weile ein immer wichtigerer Bestandteil meiner Arbeit. Cacao führt ins emotionale Innere. Coaching ins mentale. Und Kunst führt in den Ausdruck. In die Expression, die das Gegenteil der Depression ist. Ich habe mich in verschiedenen Phasen von verschiedenen Arten, Kunst „zu machen“, abgeholt gefühlt. Deshalb lege ich mich in meinen Angeboten auch nicht auf „die eine Art“ fest. Wir arbeiten mir allem: mir Worten, Bildern & Farben, mit Tönen und Tanz. Weil Bandbreite und die Möglichkeit, zu wählen, Fülle schafft. Die Fülle & Erfüllung, die in unserem Kern lebt, spiegelt, sichtbar macht. Weil wir es alle verdient haben, uns auf durch die Art auszudrücken, die wir gerade am meisten fühlen – und die uns am meisten (odre teilweise überhaupt erst wieder) fühlen lässt.
Du möchtest mehr zu aktuellen Angeboten erfahren oder Deinen eigenen Raum des Ausdrucks zusammen mit mir kreieren, um das Meisterwerk in Dir wieder anzuerkennen? Melde Dich bei mir, damit wir schauen können, wie unsere individuelle Co-Kreation aussehen darf. Ich freu mich auf Dich!